Finanzgeflüster

Besteuerung von Kryptowährungen (Bitcoin und Steuer)

Wie bei allen Themen um Steuern ranken sich auch bei Kryptowährungen viele Mythen. Aber wie verhält es sich mit der Besteuerung von Kryptowährungen. Vor kurzem hatte ich ein Interview mit Julian Hosp. Er ist Spezialist rund um das Thema Kryptowährungen. Ich durfte das Thema begleiten und mein steuerliches Wissen beitragen. Aber hier nochmal eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte – Kryptowährungen und deren Besteuerung.

Besteuerung von Kryptowährungen!

Zuerst einmal müssen wir festhalten, was sind eigentlich Bitcoin? Ein Bitcoin ist im Grunde nichts anderes als eine Währung. Viele sehen darin die Währung der Zukunft, da sie digital, notenbankunabhängig und anonym ist. Aber wie erfolgt der Handel und damit die Besteuerung eines Bitcoin? Im Grunde kann man analog die steuerlichen Regelungen verwenden, welche auch bei Währungen greifen (lt. BaFin und BMF). Jedoch werden Kryptowährungen als nicht abnutzbare immaterielle Wirtschaftsgüter behandelt, die Behandlung erfolgt jedoch trotzdem analog zu Fremdwährungen. (§ 23 EStG)

Ich selbst habe mich intensiv mit Kryptowährungen befasst und dabei alle Möglichkeiten beleuchtet und in der Praxis mit erprobt und bestätigt bekommen. Die Folgenden Informationen stammen daher aus der Praxis und weichen teilweise von dem „was Theoretiker gerne hätten“ ab. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die hier beschriebene Besteuerung auf alle Kryptowährungen anwendbar ist (es gibt jetzt über 1.100 Stück).

Der Einkauf von Kryptowährungen!

Wie immer muss man am Anfang anfangen. Was gilt es steuerlich beim Einkauf von Kryptowährungen beachten? Für das steuerliche sind auch bei Kryptowährungen der Anschaffungspreis und der Anschaffungszeitpunkt relevant. Später werden wir auch noch sehen, warum das wichtig ist. Sie sollten also Buch darüber führen, wann haben Sie die Währung gekauft haben, an welcher Börse und zu welchem Preis?

Diese Information sollten Sie bereit halten, da Sie vor allem in der „Anfangszeit“ mit diesen Fragen vom Finanzamt konfrontiert werden können. Daher sollte man diese Daten schon vorbereiten. Zum anderen wird das auch später für die Steuerfreiheit relevant. Sie sollten daher immer so viele Informationen über Ihre Aktivitäten speichern (PDF), wie es möglich ist. Sie müssen diese nicht ausdrucken, aber abspeichern spart Aufwand. Denken Sie immer daran, Sie sind der Zeit voraus, einige Beamte wissen noch nicht, dass es diese Währungen gibt und auch das BMF hat sich erst Ende 2016 damit befasst.

Kryptowährungen und die Kapitalertragsteuer!

Entgegen einiger Berichte, die ich bei der Recherche gefunden habe ist auf Kryptowährungen die Kapitalertragsteuer nicht anzuwenden. Auch wenn es sich bei der Veräußerung um Erträge aus Kapitalvermögen handelt. Würde man aus seinen Kryptowährungen Zinsen oder ähnliche Erträge erwirtschaften, dann wäre auf diese die Kapitalertragsteuer anzuwenden. Wie auch hier gilt die Versteuerung analog wie bei Euro und Dollar am Girokonto. Anders ist es aber, wenn bei der Spekulation. Hier wird es dann komplizierter. Mehr dazu hier.

First in, First out!

Wie ich schon beim Einkauf beschrieben habe, man muss sich einiges aufschreiben. Bei Kryptowährungen gilt grundsätzlich Einzelbewertung aus Vereinfachungsgründen sollte aber das FiFo-Verfahren angewendet werden, das heißt First in und First out. Auf Deutsch übersetzt bedeutet es, das zuerst gekaufte, gilt als zuerst veräußert. Damit ist wie gesagt entscheiden, wann wurde es gekauft und zu welchem Preis. Schließlich hat dann jeder Einkauf seinen eigenen Einkaufswert, Einkaufszeitpunkt und damit seine eigene steuerliche Bewertung.

Anmerkung: Grundsätzlich gilt im deutschen Steuerrecht die Einzelbewertung. Von der Einzelbewertung kann abgewichen werden, wenn Wirtschaftsgüter gleichartig sind, aus steuerlichen Gründen ist für die Vereinfachung FiFo besser geeignet ist. Das liegt daran, dass mit FiFo schneller die erste Steuerfreie Veräußerung erreicht werden kann. Andernfalls (LiFo) wäre eine Steuerfreiheit erst gegeben, wenn der letzte erworbene Coin ein Jahr gehalten wird.

Kryptowährungen steuerpflichtig?

Wie immer heißt es an dieser Stelle, steuerpflichtig, grundsätzlich ja. Das heißt, es gibt Ausnahmen. Anfangs habe ich schon erwähnt, dass man seinen Aufzeichnungspflichten nachkommen sollte. Das liegt vor allem daran, dass der Verkauf und damit der Gewinn entweder steuerpflichtig oder steuerfrei ist.

Steuerpflichtig!

Die Veräußerung von Kryptowährungen ist dann steuerpflichtig, wenn die Anschaffung und Veräußerung innerhalb eines Jahres erfolgt. Hier findet der § 23 EStG Anwendung, welcher auch bei Immobilien greift. Das nennt sich das private Veräußerungsgeschäft. Dieses private Veräußerungsgeschäft ist dann steuerpflichtig, wenn also zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als ein Jahr liegt. Des Weiteren muss die Freigrenze von 600 € überschritten werden. Bei der Freigrenze gilt, wenn sie überschritten wird, dann fällt sie weg. Das heißt, im Unterschied zum Freibetrag ist bei 601 € nicht 1 € steuerpflichtig, sondern bei der Freigrenze 601 €.

Steuerfrei!

Steuerfrei hingegen ist die Veräußerung, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mindestens ein Jahr vergangen ist (365 Tage zwischen Anschaffung und Veräußerung). Das heißt, dass hier also die eigenen Aufzeichnungen eine große Rolle spielen. Gegenüber dem Finanzamt ist man hier in der Nachweis und Mitwirkungspflicht. Daher sollten die wichtigsten Belege immer aufbewahrt und vorgehalten werden.

Sollte man aber wie oben erwähnt Zinsen aus der Kryptowährung erwirtschaften, dann erhöht sich der Zeitraum theoretisch auf 10 Jahre, da das Wirtschaftsgut aus als Einkunftsquelle gedient hat.

Ergänzung: Auf vielfachen Hinweis, die Spekulationsfrist für Aktien wurde aufgehoben, hier gilt die Kapitalertragsteuer. Jedoch sind Bitcoin und andere Kryptowährungen Wirtschaftsgüter und keine Aktien, daher findet § 20 EStG keine Anwendung und die Spekulationsfrist bleibt bestehen bzw. führt zur Steuerfreiheit!

Tausch!

Auch bei einem Tausch zwischen den Währungen kann ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegen. Das ergibt sich aus den Einkommensteuerrichtlinien. Damit gilt die Hingabe als Veräußerung und die Annahme als Anschaffung im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Das liegt aber auch nur dann vor, wenn die Spekulationsfrist von einem Jahr nicht eingehalten wird. Weitere Antworten gibt es hier (FAQ – Wichtige Fragen zu Bitcoin).

Wo eintragen?

Die Überschüsse aus der Veräußerung sind in der Anlage SO einzutragen. Die Ermittlung des Überschusses ermittelt sich aus dem Veräußerungspreis, abzüglich der Anschaffungskosten und den Veräußerungskosten. Der Überschuss unterliegt dann der Besteuerung. Der Steuersatz beträgt zwischen 0 % und 45 %. Die privaten Veräußerungsgeschäfte fließen in das zu versteuernde Einkommen ein.

Auch wissen sollte man, dass Veräußerungsverluste nicht mit anderen Einkünften verrechenbar sind. Das heißt, dass die Verluste sich zum Nachteil der Steuerpflichtigen nicht sonderlich viel ausmachen. Das heißt, die Verluste können nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Dementsprechend werden die Verluste auch am Ende des Jahres festgestellt.

Auch, wenn steuerfrei?

Ja, auch wenn die Veräußerung steuerfrei ist, sollte eine Anlage SO ausgefüllt werden. Das ist deswegen der Fall, da die Feststellung der Steuerfreiheit am besten durch das Finanzamt erfolgt. Nicht durch den Steuerpflichtigen. Im Grunde also einfach Einnahmen minus Ausgaben und dann Anschaffungs- und Veräußerungszeitpunkt angeben.

Anmerkung: Grundsätzlich gilt keine Erklärungspflicht nach einem Jahr. Es ist jedoch ratsam, dass dies trotzdem erklärt wird. Vor allem, da Steuerhinterziehung bis zu 10 Jahre verfolgt werden kann. Sollte man sich bei der 1 Jahresfrist verrechnen oder sich die Gesetzeslage ändern, dann hat man hier den Vorteil das die bereits steuerfrei erklärten Gewinne grundsätzlich nicht mehr geändert werden können.

Mining

Wer als Miner unterwegs ist, für den gelten die genannten Regelungen nicht. Miner sind nämlich gewerblich tätig. Da sie ihre Tätigkeit selbständig, nachhaltig, mit Gewinnerzielungsabsicht am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnehmen. Bei Minern sind die Einkünfte immer steuerpflichtig und es handelt sich nicht mehr um private Vermögensverwaltung, sondern um Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Im Fall des Gewerbebetriebs spielt auch eine Gewerbesteuerpflicht eine Rolle. Diese beginnt aber erst ab 24.500 € und ist dann abhängig von der Gemeinde. Als Miner muss man auch eine Gewerbeanmeldung ausfüllen. Für Miner gilt, dass Sie alle Kosten die in Verbindung mit dem Minen anfallen steuerlich geltend machen können. Das heißt, alles was anfällt und betrieblich bedingt ist, sind Betriebsausgaben.

Umsatzsteuer

Auch zur Umsatzsteuer hat sich der Gesetzgeber Gedanken gemacht. Dadurch, dass es sich um Währungen handelt, bleiben diese umsatzsteuerlich befreit. (Quelle, EUGH)

Ausführlicher Artikel zum Mining und der Steuer.

Ausführlicher Artikel zum Mining und die Umsatzsteuer.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kryptowährungen zunehmen werden. Auch große Vermieter wie RE/MAX in Großbritannien nimmt schon Zahlungen in Bitcoin an. Das heißt, die Alltags Tauglichkeit steigt. Jedoch muss man an dieser Stelle auch sagen, das BMF hat sich erst Ende 2016 mit Kryptowährungen befasst. Aus diesem Grund und dem Umstand, dass Kryptowährungen den Regierungen Macht entziehen, kann es sein, dass sich die steuerlichen Verhältnisse schnell und zum Nachteil ändern. Es könnte also schnell passieren, dass für Kryptowährungen eine Finanztransaktionssteuer oder ähnliches eingeführt wird.

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