Diversifikation oder Konzentration? – Vermögensverwaltung!

Konzentration oder Diversifikation? Diese Frage stellen sich Investoren immer wieder. In der Anlage von Vermögen sollte man wissen, was wann angebracht ist. In diesem Artikel geht es darum, ob man sein Vermögen konzentrieren oder diversifizieren soll.

Diversifikation oder Konzentration?

Zuerst muss man verstehen, was die Begriffe Diversifikation und Konzentration eigentlich bedeuten. In diesem Beitrag beziehen wir uns auf die einfache Definition der Begriffe im Finanzsektor.

Definition der Diversifikation

Bei einer Diversifikation streut man sein Vermögen über diverse Anlageklassen und innerhalb dieser Anlageklassen über verschiedene Anbieter oder auch Produkte. So kann man z. B. auch im Aktienmarkt diversifiziert sein, in dem man auf mehrere Aktiengesellschaften setzt. Man könnte also entweder klassisch auf ein Unternehmen setzen und „All-in“ gehen, oder man setzt sein Vermögen so ein, dass man beispielsweise 10.000,- € über zehn verschiedene Unternehmen streut. Genauso kann man innerhalb der Börse nicht nur auf Aktien setzen, sondern z. B. auch auf breitgesteuerte ETFs. ETFs haben den Vorteil, dass sie Indizes, wie z. B. den DAX, den S&P oder den Dow Jones, abbilden und damit über viele Unternehmen eine Risikostreuung betreiben. Eine Diversifikation ist also auch schon bei einem ETF gegeben.

Diversifikation kann aber auch bedeuten, dass man nicht nur über den Aktien- oder ETF-Markt streut, also börsengehandelte Produkte nimmt, sondern weiter geht und Immobilien mit in das Vermögen aufnimmt, P2P-Kredite oder Rohstoffe, die zwar auch börsengehandelt sind, die man aber auch „Off-Market“ beim Goldhändler kaufen kann. Eine direkte Beteiligung an einem Unternehmen ist auch eine Möglichkeit, oder man geht über die Diversifikation über mehrere Produkte, die man beispielsweise selbst vertreibt. Der Begriff Diversifikation ist sehr weit zu verstehen und dementsprechend sehr weit auszulegen und zu fassen.

Definition der Konzentration

Die Konzentration von Vermögen ist hingegen etwas anderes. Wenn man sein Vermögen konzentriert, setzt man auf eine Unternehmung, auf ein Mehrfamilienhaus, auf eine Aktie oder auf eine P2P-Plattform und geht hier im Großen und Ganzen „All-in“. Wobei „All-in“ alles auf eine Aktie hier so nicht zu verstehen ist, denn Diversifikation bedeutet ja auf sehr viele, Konzentration kann hingegen auch auf sehr wenig Streuung gemünzt sein. Man könnte also sagen, man ist konzentriert, weil man ein Mehrfamilienhaus in Lage A und Lage B hat, aber sonst kein weiteres Vermögen. Ein Mehrfamilienhaus besteht aber aus mehreren Wohneinheiten, womit man schon wieder über mehrere Mieter diversifiziert ist. Man könnte aber auch sagen, man hat in Lage A ein Mehrfamilienhaus und besitzt zwei Aktien, dann ist dies theoretisch auch ein konzentriertes Vermögen, da eine Risikostreuung im weiten Umfang nicht vorhanden ist. Die Grenze zwischen Konzentration und Diversifikation ist damit fließend.

Vor- und Nachteile der Diversifikation und Konzentration?

Der größte Vorteil der Diversifikation ist, dass das Vermögen in gewisser weise abgesichert wird. Man sichert bestimmte Vermögenspositionen dann durch weitere Positionen ab. Man setzt sein Geld z. B. auf VW, BMW, Daimler oder auch auf Tesla, dann ist man in diesem Fall konzentriert innerhalb der Automobilbranche. Sollte es Änderungen innerhalb der Autobranche geben, wäre man davon direkt betroffen. Jedoch wäre man diversifiziert hinsichtlich der Antriebsformen, denn Tesla setzt bekanntlich rein auf elektrische Motoren. D. h. es kann sowohl eine Konzentration auch wieder zu einer Diversifikation führen, denn konzentriert wäre man wie gesagt im Automobilsektor, aber diversifiziert ist man zwischen den Unternehmen und deren Zielsetzung.

Die Folge davon ist, dass die Rendite hier der größte Punkt ist. Wenn man wirklich diversifizieren will, streut man über mehrere Branchen und mehrere Unternehmen sowie mehrere Vermögensklassen. Dies würde langfristig zu Renditeeinbußen führen. Hier spricht man landläufig vom Sicherheitsabschlag, den man in Kauf nimmt, um eine Sicherheit zu erhalten. Daraus resultiert beispielsweise auch die durchschnittliche Marktrendite des DAX oder des Dow Jones von 6-8 %, die jährlich vorhanden sind. Der Markt steigt also jährlich um 6-8 %, ist aber im Fall des DAX über dreißig Unternehmen und beim Dow Jones und anderen über mehrere Hundert Unternehmen verteilt. Würde man hingegen hier konzentrieren, wären die Renditen wesentlich höher. Wenn ein Unternehmen um 30-50 % steigt, aber der Gesamtmarkt nur um 3 %, hat man im Grunde einen Verlust erwirtschaftet hinsichtlich des stärksten Werts, der innerhalb einer Anlageklasse oder eines begrenzten Raumes gestiegen ist.

Umgekehrt ist es aber so, dass damit das Risiko steigt, denn es muss nicht immer nach oben gehen, es kann ja auch mal nach unten gehen. Fällt hingegen ein Gesamtmarkt um 3 %, kann es sein, dass ein Unternehmen, auf das man setzen würde, aber innerhalb dieses Marktes um 50 % fällt. Der Gesamtmarkt jedoch, wenn es z. B. ein ETF wäre, wäre dann nur um 3 % weniger wert, hätte man auf eine Einzelaktie gesetzt, wäre man schon bei -50 %. Rendite, Sicherheit und Risiko sind die ersten Punkte, die wirklich entscheidend sind.

Vermögensschutz im Ausland

Diversifikation hat noch einen weiteren Vorteil: Diversifikation zwischen den Anlageklassen macht einen im Grunde unangreifbarer gegen bestimmte Vorgänge. Hat man beispielsweise eine Diversifikation zwischen unterschiedlichen Bankkonten – klassisch das Schweizer Bankkonto – wäre die Sachlage hier so, wenn man z. B. als politisch verfolgter das Land verlassen muss, würden davor schon alle Konten innerhalb der Bundesrepublik eingefroren werden. Wäre noch ein Konto in der Schweiz vorhanden, hätte man im Grunde seinen Bargeldbestand diversifiziert und sich gegen diese Vorgänge geschützt. Auch das kann eine Form von Diversifikation sein, seine Bargeldreserven über bestimmte Länder zu verstreuen. Dies ist auch mit P2P-Anbietern wie Bondora oder Mintos möglich. Mit diesen Anbietern kann man sein Vermögen über mehrere Länder streuen und hat den Vorteil, dass es verzinst wird und man aus jedem Land Zugriff hat, d. h. dass man sich das Geld im Fluchtfall auf sein ausländisches Konto auszahlen lassen könnte. Damit ist hier ein Schutz vor Enteignung gegeben, wie man es vermutlich bald in Berlin vor hat.

Inflationsschutz

Relevant ist auch das Thema Inflation. Inflation ist der größte Treiber für eine Diversifikation und die Investition von Vermögen. Man muss hier bedenken, dass Aktienmärkte crashen können. Das haben wir im Jahr 2000 mit der Dotcom-Blase, aber auch 2007 und 2008 mit der Schuldenkrise erlebt. Hingegen Immobilien könnten hier als Grundbuchwerte einen Inflationsschutz darstellen, denn Grund und Boden wird vor allem in Städten immer gebraucht. Diese Funktion hat Gold ebenso. Gold erwirtschaftet zwar keine Erträge in Form von Dividenden und Ausschüttungen oder von Mietzahlungen, aber es ist ein Wert, der über Jahrtausende bisher immer akzeptiert worden ist. Man könnte auch in Kunstwerke oder Zigaretten und Alkohol investieren. Sollte es nämlich zu einem Finanzmarktcrash kommen, wären dies wieder Schwarzmarktwaren, die gerne gesehen werden. Eins darf man nicht vergessen: In Situation, in denen ein weltweiter oder punktueller Crash stattfindet, könnten bestimmte Güter wertvoller werden. Das können z. B. sogar Windeln sein, wie man es in dem Russland-Embargo gemerkt hat. Eine bestimmte Zeit lang hat man aus humanitären Gründen Windeln nach Russland geschickt, weil dort keine ausgeprägte Windelproduktion vorhanden ist und man den Kleinkindern keinen Nachteil aufgrund der politischen Situation bezgl. der Krim in der Ukraine aufbürden wollte.

Für wen eignet sich Diversifikation und für wen Konzentration?

Ich selbst bin über viele Märkte hinweg sehr weit gestreut, sei es Immobilien, Aktien, ETFs, P2P und auch einige Rohstoffe. Am Anfang seiner Investorenkarriere kann dies sinnvoll sein, weil hierdurch eine breite Streuung erreicht wird. Man hat zwar nicht die Chance sehr viel zu gewinnen, auf der anderen Seite kann man aber auch nicht sehr viel verlieren, weil man immer im Durchschnitt des Marktes mitschwingt. Deswegen ziehen häufig Anleger am Anfang eine Diversifikation aus Sicherheitsgründen vor, bis sie ein stabiles Umfeld und eine Absicherung haben, um später auf Konzentration zu setzen und z. B. umzuschichten, bestimmte Positionen anders zu gewichten und ein konzentriertes Vermögen im Portfolio zu haben.

Eine Konzentration betrifft natürlich nicht nur den Aktienmarkt. Was ich als Steuerberater häufig in der Praxis erlebe: Viele Unternehmen sind sehr stark auf ihr eigenes Unternehmen konzentriert. Wenn man den ganzen Mindset-Gurus nachläuft, heißt es „be focused“, also „sei fokussiert auf das, was du tust“. Deshalb sind viele Menschen am Anfang teilweise zu sehr fokussiert. Ein gutes Beispiel ist Bill Gates. Er hat sein Leben lang auf eine einzige Option gesetzt: Microsoft.

Er war der Gründer und größte Anteilseigner von Microsoft, bis er vor ein paar Jahren ausgestiegen ist. Sein öffentliches Portfolio sind laut eigener Aussage fünfzehn Unternehmen, an denen er beteiligt ist. Wenn ich in mein Portfolio schaue sind dort sieben ETFs und 23 weitere Einzelaktien – bei weitem natürlich nicht in dem Volumen wie Bill Gates investiert hat. Man sieht, dass er trotz seiner Konzentration auf Microsoft früher, jetzt eine Konzentration auf fünfzehn wenige Unternehmen hat, obwohl er theoretisch in der Lage wäre, mehrere Tausend wenn nicht sogar Hunderttausend verschiedene Aktienpositionen auszubauen, mit der wahrscheinlich keine unter Tausend Euro sein müsste, weil er der zweitreichste Mann, nach Jeff Bezos, auf der Welt ist. Trotz dieser Position könnte er eine sehr hohe Diversifikation nutzen, tut dies aber nicht, weil auf bestimmte Unternehmen setzt und renditeorientiert.

Für wen lohnt sich also was?

Nach meiner Erfahrung der letzten Jahre mit meinen Mandanten, über mein näheres Umfeld und nach vielen Jahren an der Börse kann ich sagen: Am Anfang ist definitiv eine Absicherung des Unternehmens und der Lebensgrundlage durch Diversifikation die beste Option. Eine Konzentration kann am Anfang jedoch sinnvoll sein, wenn man die Möglichkeit hat auf bestimmte Unternehmensbeteiligungen zu setzen, z. B. sein eigenes Unternehmen. Irgendwann wird es sich darum drehen, weitere Standbeine aufzubauen. Dann stellt sich die Frage, wenn man die ersten 100.000,- EUR auf dem Konto liegen hat, wie viele Immobilien man sich kauft, ob man sich Gold kauft oder weitere Aktien. Auch das wird jeden Unternehmer irgendwann treffen, dass er diese Geldbestände zusammen hat. Wenn er am Anfang auf sein Unternehmen konzentriert war, kann er danach im gewissen Umfang diversifizieren.

Mein Fazit bleibt also, wer am Anfang des Vermögensaufbau steht, sollte diversifizieren, damit er abgesichert ist. Mit der Zeit lernt man dann zu investieren und irgendwann weiß man, was man tut. Nicht umsonst betreiben die „Profis“ Konzentration, statt Diversifikation.

Für den Anfang ist einfacher Sparplan auf einen ETF die einfachste Möglichkeit in den Aktienmarkt einzusteigen. Das geht auch schon mit 25 € pro Monat.

Produktempfehlungen, die ich selbst regelmäßig nutze. Mein privates Konto, meine P2P-Empfehlung, mein Tagesgeld und meine Kreditkarte.

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