Ist die Dividendenstrategie eine Lüge?

Manche Kritiker stellen immer wieder die These auf, dass die  Dividendenstrategie eine Lüge ist. Aber stimmt das wirklich, ist die Dividendenstrategie eine linke Tasche, rechte Tasche Lüge und zahlt man dabei drauf?

Ist die Dividendenstrategie eine Lüge?

Immer wieder liest man, dass die Dividendenstrategie keine gute und vor allem keine langfristige Strategie ist. Das liegt vor allem daran, dass man immer bestimmte Parameter setzt, ohne diese richtig zu durchleuchten. Die Strategie muss immer zum Anleger, zur Situation, zum Horizont und zum Vermögen passen.

Auswahlfehler!

Es wird immer wieder dargestellt, dass bei der Dividendenstrategie nur auf die Dividende bzw. Dividendenrendite geschaut wird. Von vielen Personen wird behauptet, dass die Investoren dann nicht mehr weiter analysieren. Dementsprechend also andere Kennzahlen außer Acht lassen.

Die Dividendenrendite ist ein Auswahlkriterium, aber es ist nicht das einzige. Wenn man sich diverse Aktien anschaut, dann ist die Dividende ein Zeichen von Verlässlichkeit. Es gibt hier die Dividenden-Aristokraten. Das heißt, dass neben der Dividendenrendite schon ein weiterer Faktor entsteht, und zwar das Vertrauen.

Die wenigsten setzen ausschließlich auf diesen Faktor Dividendenrendite, sondern prüfen Unternehmen auch noch auf gängige Kennzahlen. Es gibt zwar Anleger die nur auf die Dividendenrendite schauen, aber es gibt auch Anleger mit anderen Strategien die Unternehmen nicht analysieren.

Aber bleiben wir bei weiteren Eigenschaften, welche durch die Dividende ausgestrahlt werden. Das wäre neben dem Vertrauen und der Verlässlichkeit auch die Kontinuität. Ich schätze es, dass ich über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren bei Unternehmen auf eine positive Historie zurückblicken kann. Bei mir ist es der Fall bei Coca-Cola und Siemens. Beide Unternehmen habe ich schon sehr lange im Depot. Beide Unternehmen haben kontinuierlich eine Dividende gezahlt und diese auch Stückweise erhöht. Das zeigt, dass das Management an einem guten Verhältnis zu den Anlegern interessiert ist.

Steuern!

Der Blick auf die Steuerbelastung führt die meisten in die Irre. Es wird immer davon ausgegangen, dass erstens die Steuerbelastung bei jedem Steuerpflichtigen die vollen 25 % beträgt. Dieser Gedanke führt dazu, dass man den ersten Fehler begeht.

Jeder Anleger wird das Ziel haben, dass er später mehr verdient, als heute. Das heißt, dass der Exit steuerlich stärker belastet wird, als zum heutigen Tag. Jeder der das Gegenteil behauptet, der will erstens später weniger verdienen, als er jetzt gerade verdient. Das liegt alleine daran, dass mit steigendem Alter, auch das Einkommen steigt, damit sollte man in jungen Jahren, einige Vorteile Nutzen!

Der nächste Punkt ist, dass die steuerliche Behandlung die nächsten 40 Jahre nicht genauso bleibt wie heute. Die Folge ist, dass man nicht weiß, ob man Dividenden oder Kursgewinne auch in 20 Jahren noch mit bis zu 25 % besteuert. Denn man sollte nicht vergessen, die Abschaffung der Abgeltungsteuer auf Zinsen steht vermutlich kurz bevor.

Der letzte Punkt ist, dass man den Sparerpauschbetrag völlig außer Acht lässt. Der Freibetrag beträgt jährlich 801 € für Singles. Das heißt, man kann diesen Betrag steuerfrei verdienen. Um diesen Betrag also zu nutzen, müsste man dann jedes Jahr verkaufen und wieder kaufen. Sollte man hier pauschal rechnen, dann wären das auf 40 Jahre fast 32.000 €, die man liegen lässt. (Natürlich wird das nicht über die nächsten Jahre so bleiben und ohne Betrachtung des Grundfreibetrags bei Kindern.)

Ausschüttungen sind sinnlos!

Um zu verstehen, was Ausschüttungen sind, muss man im Grunde nur wissen, wie ein Unternehmen arbeitet. Die Unternehmen die an der Börse gehandelt werden streben die Gewinnmaximierung an. Unternehmen die das nicht tun, werden nicht mehr lange an der Börse gehandelt.

Dementsprechend wollen diese Unternehmen also Gewinne erzielen. Diese Gewinne sind nichts anderes, als der Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben. Das heißt, sollten die Einnahmen größer als die Ausgaben sein, dann entsteht der Gewinn.

Jetzt kann das Unternehmen natürlich lange Verlust erwirtschaften und damit das Umsatzwachstum in der Zukunft fördern. Das war zum Beispiel bei Amazon der Fall. Das Unternehmen hat kaum bis keine Gewinne erzielt, weil Amazon wachsen wollte. Aus diesem Grund gab es keine Möglichkeit für Dividenden, weil nur der Gewinn ausgeschüttet werden kann. Somit ist die Dividende nichts anders als der Gewinn eines Unternehmens.

Diesen Gewinn kann das Unternehmen im nächsten Jahr dann entweder ausschütten oder für weitere Investitionen verwenden. Das bedeutet, dass jedes Jahr diese Entscheidung ansteht, wenn ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet. An dieser Stelle argumentieren die Kritiker, dass das Unternehmen mit dem Geld besser umgehen kann, als der Anleger.

Diese Herabwürdigung des Anlegers ist fehl am Platz. Ansonsten wären fehlerhafte Entscheidungen wie Unternehmenskäufe oder anderes nicht zu Hauf vorgekommen. Es gilt, dass Unternehmen die zu viel Geld haben manchmal schlechtere Entscheidungen treffen. Das ist im Grunde dasselbe wie mit der Politik, wenn Geld da ist, muss es auch ausgegeben werden.

Würde man aber darüber nachdenken, dann gibt es auch sinnlose Investitionen. Ansonsten müssten alle Unternehmen nur Gewinne erzielen und jede Entscheidung müsste ein Erfolg werden, aber es gibt eben auch den Wettbewerb.

Als Beispiel an dieser Stelle, ich halte mehrere Dividendenaktien, im Jahr 2015 kam es zum Dieselskandal, welcher das Unternehmen VW stark getroffen hat. Die Aktie brach um 50 % ein und es wurde der Untergang der Welt prophezeit. Da ich eine Cashflow-Strategie fahre und nur selten hohe Bestände auf dem Konto habe, benötige ich diesen Cashflow. Dieser Cashflow hat es mir dann aber ermöglicht, dass ich schnell bei VW zuschlagen konnte. Somit habe ich in kurzer Zeit mehr als 50 % Rendite gemacht, dank Dividende. Hätte ich keine Cashflow-Strategie, dann hätte ich eine Aktie verkaufen müssen, aber welche?

Verkauf doch!

Wie sieht es bei dir in der Wohnung aus? Hast du einige Sachen, die sinnlos herumliegen. Wie oft hast du gesagt: „Das brauch ich vielleicht nochmal“. Anstatt die Dinge zu verkaufen, die man nicht mehr braucht, häuft man immer mehr sinnloses Zuhause an. Aber auch da kann man eigentlich etwas Geld sparen und verdienen.

Wie würdest du dich einschätzen, kannst du, wenn du heute das Geld brauchst, sofort eine Aktie verkaufen? Die meisten werden nein sagen. Menschen verkaufen ungern Dinge, die sie vielleicht nochmal brauchen würden. Mit Aktien ist das noch schwieriger. Wie oft war es, wenn du dann doch verkauft hast, dass die Aktie danach gestiegen ist.

Ich habe schon einige Male verkauft und das war bei mir sehr oft der Fall. Das liegt unter anderem daran, dass Aktien grundsätzlich steigen. Sie erwirtschaften Gewinn und damit steigt der Gewinn in der Zukunft. Aktien können natürlich auch fallen, aber das ist dann sehr individuell.

Du kannst es natürlich auch so machen, dass du dann einen Anteil von jeder Aktie oder jedem ETF verkaufst. Das ergibt zwar Sinn, bringt uns aber zum nächsten Punkt.

Gebühren!

Die Gebühren bei der Wiederanlage. Das ist auch so ein Punkt. Klar kostet die Wiederanlage Gebühren, jedoch vergessen viele, dass man jedoch mehrere Punkte an Ersparnis hat. Aber zuerst zu den Gebühren.

Je nach Strategie und Volumen hat man kosten bei Ausschüttungen und deren Wiederanlage. Du musst schließlich jedes Mal das Unternehmen wieder kaufen und das kann entweder Flat etwas kosten oder eben über den Sparplan. Das heißt, hierdurch geht dir dann Vermögen verloren.

Auf der anderen Seite, wenn du zum Beispiel 10 Aktien mit je 1.000 € im Depot hast und du brauchst Geld, dann stellt sich die erste Frage, welche Aktien willst du verkaufen? Nehmen wir dann an, dass alle 10 Unternehmen keine Mängel aufweisen und vom jetzigen Standpunkt aus die gleichen Voraussetzungen haben. Dann könnte man natürlich sagen, wenn man 1.000 € braucht, dann verkauft man eine Aktie.

Was ist aber, wenn dieses Unternehmen das „Next big Thing“ wäre? Diese Aktie könnte sich in den nächsten Jahren verhundertfachen. Die Alternative wäre, dass du jedes Unternehmen anteilig verkaufst. Jetzt haben aber Unternehmen unterschiedliche Preise. Als Beispiel bei Amazon wärst du bei ca. einer Aktie und bei Daimler ca. 15 Stück. Zudem würdest du dann auch immer nur eine Aktie verkaufen und dann darauf je nach Broker zwischen 5 % und 10 % Gebühren zahlen.

Rentenstrategie!

Dieses Problem zeigt sich vor allem dann beim Exit. Viele Blogger, schlaue Bücher und Autoren beschreiben immer nur den Ist-Zustand, was ist aber der Sollzustand? Als Beispiel, mein Ziel ist es, dass ich eine monatliche Rente durch die Dividenden erreiche. Das heißt, ein monatlicher Cashflow soll dann ständig auf mein Konto fließen.

Ich bereite mich jetzt schon darauf vor und nutze diese Strategie, also heute schon. Damit lerne ich stärker, welche Kriterien wichtig sind und versuche das auch in die Zukunft zu prognostizieren. Aussagen über die Zukunft sind immer falsch, aber es gilt, du musst dich so Verhalten, wie  du sein willst und nicht so wie du bist.

Jetzt ist das Gegenargument, dass man einfach irgendwann den Exit vorbereitet. Das ist natürlich eine Möglichkeit, nur dann wäre man wieder beim obigen Punkt, wo fängt man an. Bei welchem Unternehmen kann man sicher sein, dass eine schlechte Performance ansteht. Zudem wann ist der richtige Zeitpunkt für diesen Exit?

Mit der Dividendenstrategie wird diese Frage nicht gestellt. Der Grundsatz ist Buy and Hold till your old. Es heißt zwar nicht, dass man niemals verkaufen sollte, aber grundsätzlich ist man mit dieser Strategie am sichersten. Das liegt vor allem auch daran, dass man irgendwann das Rauschen der Nachrichten überhört.

Fazit!

Wie immer muss man sagen, dass die Dividendenstrategie eine von vielen ist. Sie ist aber eine Strategie, welche hilft, dass man schnell und einfach Vermögen aufbaut und mit dem Geld umgeht. Der regelmäßige Cashflow motiviert und führt dazu, dass man sich neue Ziele setzt und auch mehr von seinem Geld hat.

Die Dividendenstrategie ist aber auch kein Allheilmittel, das liegt daran, dass eine hohe Dividende auch auf ein krankes Unternehmen hinweist. Aus diesem Grund sollte man niemals die Analyse des Unternehmens außer Acht lassen. Am wichtigsten ist für mich jedoch das Kriterium externe Faktoren.

Ein Unternehmen, das gut nach außen Auftritt und auch in einem guten Wettbewerb steht, wird langfristig am Markt bestehen.

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