Sind P2P-Kredite moralisch verwerflich?

Vor ein paar Monaten wurde eine Podcast-Folge von Zendepot veröffentlicht. In dieser Folge wurde die Frage aufgeworfen, sind P2P-Kredite moralisch verwerflich? In diesem Artikel habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt.

Sind P2P-Kredite moralisch verwerflich?

Als ich das gehört habe, habe ich mich selbst dabei ertappt, dass ich mir diese Frage noch nie gestellt habe. Ich bin aber schon kurz darauf zu dem Schluss gekommen, dass man diese Frage aufgliedern muss. Es gibt mehrere Ebenen, auf denen es legitim oder illegitim ist. Doch welche Punkte sind hier in die Betrachtung mit einzubeziehen.

Ich habe für mich dann Eckpunkte festgelegt, welche die Grenze abstecken. Die erste Frage ist, ob es überhaupt moralisch in Ordnung ist Geld zu verleihen. Die zweite Frage ist, darf man dann dafür Zinsen verlangen und die dritte Frage ist, wie hoch darf dieser Zins dann sein.

Geld verleihen ist das OK?

Es geht also schon los, ist es überhaupt in Ordnung, dass ich als Person A Person B Geld zur Verfügung stelle. Diese Frage klingt banal, aber trotzdem ist dieser Punkt schon einmal entscheidend. Es geht darum, warum verleihen wir eigentlich Geld auf diesen Plattformen.

Das Grundprinzip ist hier sehr einfach erklärt. Märkte arbeiten danach, dass der eine etwas hat und ein anderer etwas braucht. Grundsätzlich arbeitet so jeder Markt. Es ist hierbei noch nicht einmal auf das Verleihen von Geld abgestellt, sondern auf reine Marktwirtschaft. Im Bereich P2P-Kredite ist das Wirtschaftsgut aber Geld. Geld braucht jeder, damit wäre die Nachfrage schon einmal da. Es gibt auch Menschen, die freies Kapital, also Geld haben. Das Angebot wäre damit geschaffen und wir hätten einen Markt eröffnet und irgendwo findet sich dann der Preis.

Ist es jetzt also in Ordnung, wenn eine Person einer anderen Person Geld leiht? Dieser Punkt lässt sich für mich bejahen. Person A hat etwas das Person B braucht. Sei es zum Wirtschaften oder dem privaten Konsum. An diesem Punkt muss man sagen, dass dies natürlich in Ordnung ist. Schließlich können die Gründe unterschiedlich sein.
Der eine will ein Haus bauen, der andere sich das neue iPhone kaufen und wieder ein anderer will seine Schulden strukturieren. Aber wäre das dann fair?

Welche Schulden sind in Ordnung?

Man könnte hier einwerfen, dass man eine bestimmte Art von Schulden nicht unterstützen will. Zum Beispiel gibt es Investoren, die sagen, sie investieren nur in Investitionen und nicht in Konsumentenkredite. Diese Möglichkeiten gibt es, damit ist P2P wieder für jedermann offen, denn Immobilien und Investitionen können die wenigsten aus der Portokasse zahlen.

Wer für sich also feststellt, dass Konsumschulden nicht gefördert werden sollen, der kann das auf den Plattformen einstellen. Damit wäre zum Beispiel die Investition möglich, aber der Konsum nicht weiter unterstützt.
Dem grundsätzlichen Geldverleih wäre also nichts entgehen zu setzen.

Zins verlangen?

Wenn man Geld verleiht, dann stellt sich die Frage, darf man dafür Geld verlangen? Ist es so zusagen erlaubt Geld für Geld zu verlangen. Hierbei ist es wichtig, dass es unterschiedliche Ansichten gibt. In einigen Religionen ist der Zins verboten in anderen ist er erlaubt. Unabhängig der Religion kann man diese Frage betriebswirtschaftlich einfach beantworten.

Zinsen sind ein Entgelt für das eingegangene Risiko. Diesen Punkt vergessen sehr viele bei der Betrachtung des Zinses. Person A geht ein Risiko ein, wenn sie Person B Geld leiht. Wenn Person A mehreren Personen Geld leiht, dann besteht auch die Möglichkeit, dass eine Person die Schulden nicht zurückzahlt.

Der Zins ist daher zum einen als Risikozuschlag zu sehen, wenn man mehreren Personen Geld leiht und zum anderen auch ein Entgelt für entgangenen Konsum. Person A hätte das Geld auch einfach verfeiern können. Doch sie hat das Geld Person B bereitgestellt, damit diese Person die Miete zahlen, ein Haus kaufen oder eine Investition tätigen kann.

Der Zins ist damit im Grundsatz auch legitimiert. Es stellt sich dann aber die Frage, wenn der Zins in Ordnung ist, welche Höhe ist denn dann noch „fair“?

Welcher Zins ist erlaubt?

Wenn man jetzt den Zins als Risikoaufschlag heranzieht und dann bestimmte Merkmale des Kreditnehmers überprüft. Dann ergibt sich daraus, dass man eine sehr hohe Bandbreite erreichen kann.

Es gibt Zinsen von 0,01 % am Tagesgeld bis hin zu 99 % bei estländischen P2P-Anbietern. In Deutschland gibt es eine moralische Grenze die sich als Wucher darstellt. Es gibt Urteile, aus denen geht hervor, dass Wucher dann vorliegt, wenn der Zins doppelt so hoch ist, wie der marktübliche Zins. Erst ab dann wäre es laut dem Gesetzgeber Wucher.

Es lässt sich also nicht sagen, dass ab 20 % eine moralische Grenze erreicht ist. Auch hier muss das derjenige mit sich selbst ausmachen. Hier greift aber dann nicht die Moral, sondern der Sachverstand. Wenn eine Person aufgrund der Überprüfung mehr als 50 % Zinsen zahlen muss, dann sollte man sich selbst im Baltikum fragen, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit ist.

Was ist jetzt mit der Moral?

Es im Grunde ganz einfach. Niemand kann dir vorschreiben wo du investierst. Im Unterschied zur Investition in die Alkohol-, Tabak- und Rüstungsindustrie benötigen die Menschen bei P2P-Krediten das Geld für den täglichen Bedarf. Zu Konsum gehört eben nicht nur der neue Flatscreen oder das neue iPhone X Plus.

Zu Konsum gehört auch die Wohnung, das Essen und die Reparatur des Autos, um zur Arbeit zu kommen. Auch diese Kredite findet man auf diesen Plattformen. Für mich gilt, wenn ich dieses Risiko eingehe und einem unbekannten Menschen Geld leihe, dann kann man auch eine Verzinsung erwarten.

Feststellen lässt sich aber zum Schluss, dass das Tagesgeld oder Sparbuch keine Anlage, sondern ein reines Zwischenparken darstellen. Für P2P-Kredite empfehle ich Bondora oder Mintos.

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Bildquelle: Pixabay

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