Interview mit „Fräulein Finance“ Chiara Bachmann

Im April hatte ich ein tolles Gespräch mit „Fräulein Finance“ Chiara Bachmann und durfte sie näher kennenlernen.

27. April 2020

Wer ist „Fräulein Finance“ Chiara Bachmann?

Roland: Das Thema Frauen, Finance, Blogging und sonstiges ist in den letzten Jahren ziemlich groß geworden. Sowohl ältere als auch jüngere Bloggerinnen sind sehr aktiv geworden. Meine erste Frage ist: Wer bist du und wie bist du dazu gekommen, das zu machen, was du machst und warum Social-Media-Kanäle? Wenn du dich einfach mal vorstellen würdest?

Chiara: Gerne. Dann fange ich ganz am Anfang an. Mein Name ist Chiara Bachmann, ich bin die Gründerin von „Fräulein Finance“ und Money & Finance Coach für junge Frauen. Ich beziehe mich hauptsächlich auf die Themen private Finanzen aber auch Finanzen für Selbstständige. Das ist ein zweiter Teil, der bei mir im Laufe der Zeit dazugekommen ist.

Warum ich das Ganze eigentlich mache, was ich mache, ist der ausschlaggebende Punkt, dass ich am Anfang meines Masterstudiums gemerkt hab, dass sich eigentlich sehr wenig Frauen aus meinem Feld auch mit dem Thema private Finanzen auseinandersetzen. Natürlich haben wir in den Kursen über die fachlichen Dinge diskutiert, aber wenn es um die privaten Finanzen ging, z. B. „Was machst du in der Hinsicht eigentlich?“, oder in Bezug auf erste Investments, hab ich gemerkt, dass die Mädels in der Runde relativ zurückhaltend waren und ich mich hauptsächlich mit den Jungs unterhalten hab.

Klar, im Finance Master waren die Männer in der Zahl grundsätzlich überlegen und meine Stichprobe war nicht so riesengroß, aber ich hab mir dann die Frage gestellt: „Hey, wir haben eigentlich den direkten Draht zum Thema Finanzen, und wenn da die Frauen teilweise zurückhaltend sind, wie muss es dann erst bei den Frauen sein, die damit gar nichts am Hut haben?“

Ich habe dann meine Freundinnen ausgequetscht und da hieß es eben auch: „Nö, interessiert mich eigentlich nicht so. Weiß auch gar nicht wo ich anfangen sollte.“ Das war wie so eine Spirale, bis ich beschlossen hab, mein Wissen weitergeben zu wollen. Ich hab dann auf Instagram angefangen, zu teilen, was mir in den Sinn gekommen ist. Am Anfang war alles noch super theoretisch, Ausschnitte aus Studien, hab Zeug geteilt, das keinen interessiert hat. So hab ich erst recht nicht die Menschen erreicht, die ich erreichen wollte. Das ging dann ein paar Monate.

Irgendwann war ich mit einer sehr guten Freundin auf einen Kaffee und da ist mir klargeworden: Wenn da mehr draus werden soll, wenn ich mehr Frauen erreichen will, muss das mehr als ein Hobby sein. Ganz ursprünglich war meine berufliche Vision, mein Studium zu absolvieren und dann in einer Bank oder einer Unternehmensberatung mit Fokus Financial Services anzufangen und mich so schnell es geht nach oben zu arbeiten, um Senior Managerin oder Partnerin zu werden. Ich dachte mir aber, wenn ich diesen Plan verfolge und zusätzlich noch was bewegen will – das funktioniert nicht.

Um herauszufinden, wie ich mehr Frauen erreichen kann, bin ich ins Social-Media-Marketing reingestolpert, wodurch ich dann mehr Erfolg hatte. Das ist der Anfang dieser ganzen „Fräulein Finance“-Story.

Roland: Wann hast du eigentlich angefangen?

Chiara: Der erste Post ging am 11. November 2017.

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Roland: Warum weißt du das so genau?

Chiara: Weil ich da irgendwann zurückgescrollt hab. Das war glaube ich im September 2018, also etwa ein dreiviertel Jahr später, weil ich mich ja mehr mit Online-Marketing auseinandergesetzt hab und schauen wollte, wann ich eigentlich begonnen hab. So wurde der 11. November der Geburtstag von „Fräulein Finance“. Das Datum ist mir im Kopf geblieben.

Roland: Weil du vorhin gesagt hast, du hast ein paar Leute erreicht – inzwischen hast du 5.797 Abonnenten auf Instagram. Das sind ja doch einige! Verirren sich eigentlich auch Männer auf deine Seite? Also ich meine viele Männer. Auf Instagram sieht man ja die Statistiken.

Chiara: 30 %. Finde ich echt viele Männer.

Roland: Lassen die sich auch von dir coachen?

Chiara: Ich hatte Anfang des Jahres einen Mann im Coaching. Das ist zufällig passiert. Meine Positionierung nach außen ist ja „Finanzen für Frauen“. Männer sind bei mir auch nicht in den Gruppen-Geschichten dabei. Dort gilt immer „Ladies only“. Aber bei „one and one“ ist das unterm Strich ja egal. Ich mache diese Begrenzung auch nur, weil ich die Erfahrung gemacht hab, dass sich Frauen da leichter öffnen können und beispielsweise eher erzählen, wie blöd es gerade läuft und sie ihr Herz ausschütten. Das passiert, wenn Frauen unter sich sind.

Roland: Das ist eine Frage, auf die ich eigentlich gar nicht eingehen wollte. Das ist so der Klassiker: Was sind die Unterschiede in Bezug auf Finanzen bei Männern und Frauen? Die Frage hast du wahrscheinlich schon öfter gehört. Gibt es da so massive Unterschiede? Also ich kenne aus der Erfahrung heraus, dass die Risikoneigung unterschiedlich ist. Du hast ja überwiegend Frauen in deinen Coachings und jetzt hat sich da ein Mann verirrt. Was kannst du berichten?

Chiara: Man muss natürlich auch dazu sagen, dass ich immer in unterschiedlichen Bereichen Kurse, Workshops und Coachings anbiete. Was Frauen hauptsächlich betrifft, ist das Thema Familienplanung. Da haben Frauen einfach was anderes an der Backe, als es bei Männern der Fall ist. Gerade auch durch die Statistik, wie lange Männer und Frauen leben, muss man sich für die im Durchschnitt länger lebenden Frauen noch mehr mit dem Thema auseinandersetzen.

Wenn du jetzt auf die Frage hinauswillst, wie Frauen und Männer mit dem Thema Geld und Finanzen umgehen, sind meine Erfahrungen wie folgt. Frauen können super mit dem Geld haushalten usw. Das ist eine Sache, die oft an den Frauen „klebt“, so nach dem Motto:

„Du führst den Haushalt, kümmerst dich ums Haushaltsbudget, sorg dafür, dass der Kühlschrank voll ist.“

Wenn es dann aber um das Thema Investments und Vermögensaufbau geht, hab ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen immer ganz genau wissen wollen, was da jetzt passiert. Sie wollen alles in der Tiefe verstanden haben – gerade auch bei meinem Kurs, wo es um den Vermögensaufbau geht, das ist so eine Art Mentoring. Da kommen immer ganz detaillierte Rückfragen, die in die Tiefe gehen. Das freut mich natürlich sehr, weil ich dann spüre, sie setzten sich wirklich damit auseinander. Das ist klasse!

Ich hab da nicht so den direkten Vergleich und kann auf keine Statistik zurückgreifen, aber ich hab das Gefühl, Männer sind da eher so ein bisschen nach dem Motto: „Springen wir da mal rein und gucken, was passiert.“ Und Frauen sind eher so: „Ich guck mir das erst im Detail an, was da passiert und was ich dazu wissen muss.“

Das ist auf der einen Seite von Vorteil, weil das tendenziell jemanden krisenresistent macht, finde ich, wenn sich jemand richtig damit auseinandergesetzt, Wissen aufgebaut hat und weiß was Sache ist. Das kann aber auch dazu führen, dass man sich in einer Art Abwärtsspirale bewegt und denkt: „Ich muss noch mehr wissen, ich muss noch mehr darüber lernen!“, und dann schlussendlich nicht in die Umsetzung kommt.

Ich bin dann diejenige, die euch so ein bisschen hinschubst und sagt: „Hey, wir haben jetzt so viel darüber gelernt. Du hast nun ein echt tolles umfangreiches Wissen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, vom Sprungbrett ins kalte Wasser zu springen!“

Die Bilder in diesem Artikel wurden uns freundlicherweise von Chiara Bachmann – Fräulein Finance zur Verfügung gestellt.

So arbeitet Fräulein Finance!

Roland: Siehst du dich mehr als Lehrerin, Coach, Freundin? Oder was ist deine Einstellung, wie du deinen Mädels gegenüberstehst?

Chiara: Es ist eine Mischung. Man muss klar differenzieren: Ich mache keine Anlageberatung, Anlagevermittlung oder sonstiges. Es ist rein die Vermittlung von Finanzwissen. Deswegen passt das Wort Lehrerin vielleicht in bedingterweise ganz gut. Das Thema Freundin spielt natürlich auch mit rein, weil ich beispielsweise im Coaching eine Klientin hatte, da ist eine richtige Abwärtsspirale losgegangen, als wir den konkreten Fokus draufgelegt haben, was in den Finanzen eigentlich gerade passiert. Da ist hier und da noch eine Rechnung aufgeploppt und: „Mist, hier sind eigentlich noch Mietschulden!“ Mein Finanzcoaching ist dann auch keine – wie soll ich sagen – NGO-Aktion ist. Man muss dafür bezahlen. Die Klientin befand sich in einem sehr ängstlichen und schambehafteten Zustand, weil sie gar nicht damit gerechnet hat, dass so viel aufkommen würde.

Sie hat sich eine Weile nicht gemeldet und wollte das Coaching abbrechen. Ich habe aber immer wieder nachgehakt und gesagt: „Wir können an diesem Punkt nicht abbrechen. Ich kann dich da jetzt nicht allein lassen! Wir müssen weitermachen!“ In diesem Moment bin ich die Freundin, die sagt: „Wir sind zwar am Tiefpunkt dieses Prozesses, aber wir kommen da gemeinsam wieder raus.“ Und genauso war es. Mit meiner Hilfe hat sie es geschafft, alles auf die Reihe zu kriegen und einen guten Cashflow auf der Einnahmen- und Ausgabenseite zu haben, sodass alles zusammenpasst.

Neben Lehrerin und Freundin, bin ich in dritter Stufe auch Coach. Hier muss man differenzieren. Ich glaube, Coaching wird ganz oft falsch verstanden. Beim Coaching geht’s eigentlich darum, Fragen zu stellen und die Grundhaltung zu haben, dass der Klient der Experte seines eigenen Lebens ist. Es geht eigentlich nicht um Tipps geben oder Wissensvermittlung, sondern um herauszuziehen, was in der Person vorgeht und rauszufinden, was für die Person aktuell das richtige ist. Diese verschiedenen Bereiche kommen bei mir immer zusammen, je nachdem, um welches Thema es sich gerade handelt. Es ist bei mir sehr umfangreich, sehr abwechslungsreich und für mich eine absolute Herzenssache.

Roland: Ich kenne das als Steuerberater auch. Die richtigen Fragen stellen ist meist das, was am besten weiterhilft. Warum hast du aber auf Instagram gestartet und nicht beispielsweise über einen Blog, YouTube-Channel oder Facebook?

Hier geht es zur FACEBOOK Seite von Fräulein Finance

Chiara: Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt, weil ich auf Instagram das Gefühl hatte, dort am Anfang so anonym wie möglich bleiben kann. Ich hatte erst mal niemandem aus meinem persönlichen Umfeld davon erzählt, weil ich mich nicht getraut hab, das zu teilen und Angst davor hatte, was die Leute darüber denken. Gerade weil ich vorher groß verkündet hab, in eine Bank zu gehen und dies und jenes zu machen. Ich hatte Angst, dass die Leute denken: „Was ist denn das jetzt für ein Quatsch!?“

In Sachen Facebook muss ich sagen: Bevor ich „Fräulein Finance“ gegründet hab, war ich immer diejenige, die auf Social Media nur so einen Stalker-Kanal hatte. Ich hab mir immer nur angeguckt, was die anderen so machen, aber von mir selbst nichts geteilt. Ich war da relativ im Hintergrund. Auf Instagram hatte ich das Gefühl, dass dort meine Zielgruppe ist, dort die Frauen sind, die ich erreichen will und auf der anderen Seite war dort die Gefahr nicht so groß, dass meine Familie und Freunde über mein Profil stolpern.

Roland: Du machst echt schöne Bilder. Ich selbst hab ja auch ein Instagram-Account. Ich finde, Instagram ist doch ein bisschen aufwändiger als YouTube oder Twitch. Ich hab einen Gaming-Channel, wo ich Gaming und Steuern verbinden will. YouTube oder auch Facebook finde ich wesentlich angenehmer zu bespielen als Instagram, weil du weniger drauf achten musst, dass alles in einem Bild gesagt wird. Ich weiß nicht, wie du das empfindest. Ist das nicht ziemlich komplex und schwierig?

Chiara: Was schwierig ist: Es wird mit der Zeit immer komplexer, je mehr man es auf die Spitze treibt mit Instagram. Was ich aber dazu sagen muss ist, dass ich das Gefühl hab, keine Plattform ist so „social“ wie Instagram. Ich hab noch über keine andere Plattform so tolle Leute kennengelernt, wo auch privat Freundschaften oder auch Businesskontakte entstanden sind. Dort herrscht irgendwie eine andere Stimmung. Das macht für mich die Magie von Instagram aus.

Natürlich ist es einiges an Arbeit, die Bilder zu produzieren, sie irgendwie so hinzudengeln, dass sie passen. Es ist ja nicht damit getan, zu sagen: „Ich mach jetzt ein Bild, lade es hoch und schreibe Text darunter“, sondern man muss mehrere Bildern machen, sie aussortieren, durch einen Filter jagen, beschriften, Slider bauen usw. Unterm Strich macht mir das aber viel Spaß.

Roland: Das stimmt. Es muss auf jeden Fall Spaß machen.

Diese Tipps gibt Fräulein Finance!

Roland: Welche drei Tipps hast du für junge Frauen, die ihre Finanzen in den Griff bekommen wollen? Ich bin jetzt mal ganz frauenfeindlich und sage: Wie kommt man von der Persönlichkeit her von „Jede Woche ein Paar neue Schuhe“ zu „Ich hab meine Finanzen im Griff?“ Weil du vorhin sagtest, dass du auch Kundinnen hast, die finanzielle Probleme haben. Womit sollte man anfangen?

Chiara: Ich glaube, ein Thema, was unfassbar ausgelutscht ist, was aber ein Evergreen bis in 50 Millionen Jahre sein wird, ist das Money Diary.

Das ist der erste Punkt. Elementar ist, mit welchem Mindset man rangeht. Ist mein Mindset: „Boah, so ein Mist! Das nervt mich total! Ich muss da meine Ausgaben eintragen, sehe, wofür ich mein Geld verballert habe und was ich nicht mehr ausgeben kann.“, oder beläuft sich das von der ganz anderen Ecke, verknüpfe ich das mit etwas Emotionalem und benutze es vielleicht auch als Reflektionstool für mein eigenes Leben.

Wenn wir uns das mal angucken: Unsere Finanzströme bilden ganz oft das ab, was in unserem Leben passiert. Du als Steuerberater hast da ja auch die besten Insights. Was auf unserem Konto oder der Kreditkartenabrechnung abläuft, spiegelt zu – ich sag mal – oftmals mindestens 80 % wider, was in unserem Leben abläuft. Wenn ich alles ins Money Diary eintrage, beispielsweise: „Ich war an diesem Samstagnachmittag mit einer Freundin im Café, hatten tolle Gespräche, eine schöne Zeit“, und ich verknüpfe den Moment, wenn ich es reinschreibe, nochmal mit dem Erlebnis, versetze mich nochmal in diese Emotionen, bekommt das schon einen ganz anderen Touch. Heutzutage führen viele so eine Art Journal oder beschäftigen sich auf einen andere Weise mit Persönlichkeitsentwicklung und Reflektion usw. Das kann man verbinden. Wenn man das macht, bekommt das Money Diary einen ganz anderen Touch.

Zweiter Tipp ist, nicht nur diese ganzen Daten zu sammeln, dieses Money Diary zu führen. Informationen sammeln ist schön und gut, aber irgendwann muss man diese Daten auch auswerten und sich die Frage stellen: „Was mache ich denn jetzt damit? Welche Handlungsempfehlung für die Zukunft seilt sich jetzt daraus ab?“ Das ist glaube ich etwas, das viele vergessen. Sie führen das Diary, aber gucken sich nie wirklich an, was sie in der Zukunft damit machen sollten.

Ein weiterer Tipp ist – da hast du mir im Prinzip schon eine tolle Vorlage gegeben, weil du gesagt hast: „Wie komme ich von einem Paar Schuhe die Woche zu einem guten Finanzmanagement?“ – sich das eigene Money Mindset anzugucken. Wenn jemand sagt: „Ich gehe ganz oft und viel einkaufen!“, kann man sich die Frage stellen: „Ist vielleicht mein eigener Selbstwert ganz arg mit Konsum verknüpft?“ Der eigene Selbstwert setzt sich aus vielen verschiedenen Dingen zusammen. Wenn es um das Thema Geld und Finanzen geht, spielt der Selbstwert eine riesengroße Rolle, was unfassbar unterschätzt wird. Das kann unterschiedlich aussehen, beispielsweise, dass ich meinen Selbstwert über mein Gehalt definiere oder die Performance, die ich abliefere, über die Noten, die ich in der Uni erziele oder aber auch über den Konsum. Man sollte sich angucken, wie sich der eigenen Selbstwert zusammensetzt. Wann fühle ich mich ganz besonders gut und warum ist das so? Man sollte sich auch anschauen, was man eigentlich über Geld denkt und wie dieser Gedanke entstanden ist. Es gibt viele tolle Tools, mit denen man überprüfen kann, was sein eigenes Money Mindset ist, was man über Geld denkt, wie sich das auf sein Verhalten mit Geld auswirkt. Dieses Wissen ist super mächtig und eine unfassbar tolle Grundlage, wenn man in die Umsetzung startet. Alle Strukturen, Vorlagen und Pläne bringen nichts, wenn man nicht die passenden Gedanken dazu hat, die das Ganze supporten.

Roland: Interessante Reihe von Einsteigertipps, definitiv! Wie kann man das umsetzen? Klar, anfangen ist immer der erste Schritt, den man gehen muss. Mit der Umsetzung hast du dich ja glaube ich auf deiner Homepage ausführlich auseinandergesetzt, mit dem Thema Money Diary. Wie kann man richtig starten?

Chiara: Es geht damit los, dass man sich ein Tool sucht, auf welches man Bock hat. Man muss Spaß und Freude an der ganzen Sache haben. Ich selbst bin ein Excel-Freak, ich habe da voll Bock drauf, aber wenn beispielsweise Grafikdesignerinnen bei mir um die Ecke kommen, sagen die: „Bleib mir bloß fern mit Excel!“ Der erste Step ist, sich zu fragen: „Was würde ich gerne machen? Möchte ich mir ne App suchen, bei der mir die Oberfläche gut gefällt? Möchte ich es vielleicht Old School in einem Notizbuch machen? Was ist die Art und Weise, die zu mir und meinem Leben passt?“ Dafür gibt es nicht den einen Fahrplan. Das, was sich stimmig anfühlt, ist das Richtige.

Der nächste Step ist, eine Weile einen engmaschigen Rhythmus zu fahren. Es geht grundsätzlich immer darum, Gewohnheiten zu etablieren, auch im Bereich Geld und Finanzen. Da ist es genauso wie beim Training auf sportlicher Ebene. Wenn man nur einmal im Monat laufen geht, hat man kaum Fortschritte und dann macht das auch keinen Spaß. Wenn man nur einmal im Monat das Money Diary führt, hat man die Hälfte schon wieder vergessen und verliert die Lust daran. Deswegen gerade am Anfang einen engmaschigen Rhythmus starten, beispielsweise alle zwei oder drei Tage, sodass sich alles nicht so sehr aufhäuft. Bei der Buchhaltung ist es ja dasselbe. Wenn ich ein halbes Jahr meine Buchhaltung nicht mache, habe ich irgendwann zehn Stapel daliegen und denke mir: „Ach, Mist!“

Ein „super easy going“-Tipp: Wie oft sind wir in einem Geschäft, bezahlen an der Kasse, sind auf dem Weg nach draußen und beantworten schnell noch eine WhatsApp-Nachricht. Genauso schnell, wie wir diese Nachricht beantworten, können wir auch in eine App eintragen: „DM-Einkauf, 27. April, 25 €.“ Das geht ganz schnell und ist direkt abgehakt. Die Frage ist, wie leicht man es sich machen will.

Roland: Das stimmt. Ich habe es selbst auch mit solchen Apps versucht und am Ende auf Excel zurückgegriffen, weil das mehr meins ist. Aber das ist wahr – jeder muss seins finden. Wir haben jetzt viel über das Thema Mindset und Money Diary gesprochen.

Darin investiert Fräulein Finance!

Roland: Was ich als Investor noch vermisse, ist die Frage: „In was investierst du eigentlich?“ Du hast gesagt, du empfiehlst keine Produkte. Es gibt unterschiedliches, angefangen von Aktien, ETFs, dann geht es weiter über Immobilien bis hin zu P2P, Kryptowährungen usw. Wie ist deine Philosophie beim Investieren, in was investierst du und was hältst du z. B., wenn es für dich riskant ist, von Investitionen in Gold, Kryptowährungen, P2P-Kredite und ähnliches?

Chiara: Warum ich auf Social Media weniger über das Thema Investment spreche, liegt daran, dass dies nicht der Punkt ist, an dem meine Klientinnen reinkommen. Das stellt eher das nächste Level dar. Ich habe ein Next Step Mentoring, wo es um das Thema Vermögensaufbau mit ETFs geht. Im Marketing-Jargon gesprochen: Das ist nicht, wo meine Klientin in den Funnel reinkommt. Deswegen spreche ich nicht so sehr über diese Themen auf Social Media.

Nichtsdestotrotz investiere ich natürlich auch mein Geld, ganz easy peasy im Prinzip mit breitgestreuten ETFs. Ich mache da gar kein riesengroßes Heckmeck drum. Ich bin zum aktuellen Zeitpunkt auch niemand der sagt, dass ich mich mit Investments in Einzelaktien auseinandersetze. Ich sage grundsätzlich nicht, dass das niemals kommen wird, aber aktuell fühlt es sich für mich einfach nicht stimmig an, bzw. habe ich gerade auch nicht die Zeit dazu, um dich da reinzufuchsen. Einzelaktieninvestments bedürfen eine gewisse Recherche, damit muss man sich schon genau auseinandersetzen und das steht bei mir nicht oben auf der Prioritätenliste. Deswegen sind es bei mir breitgestreute ETFs. Ich habe auch ein paar Spaßgeschichten in Kryptowährungen.

Roland: Jetzt hab ich es doch noch rausgefunden: Fräulein Finance investiert also in Kryptowährungen!

Chiara: Ja. Ich war eine Weile Praktikantin bei BTCEcho.

Roland: Interessant! Cool!

Chiara: Ich glaube das war Anfang 2018. In Frühling/Sommer 2017 hab ich mich ganz arg mit dem Thema auseinandergesetzt. In die Richtung bin ich auch gegangen, aber eher mit dieser Buy and Hold-Strategie. Long Term, nichts Spekulatives. Wie gesagt, es spielt für mich immer in dieses Thema mit rein, dass es eine gewisse Recherche bedarf und man die Zeit und Muße dazu haben muss. Da stehen für mich gerade einfach andere Dinge weiter oben auf der Agenda.

Ein Thema, bei dem ich noch nicht weiß, in wie naher Zukunft das auf der Agenda stehen wird, ist wahrscheinlich P2P. Das hört sich für mich grundsätzlich spannend an, aber ich hatte noch nicht die Zeit, mich intensiv reinzufuchsen. Ich habe mich mit anderen schon ein bisschen ausgetauscht und es ist ein Thema, das mich anlacht. Ich finde, es ist eine coole Philosophie.

Zum Thema Immobilien steh ich aktuell, ich will nicht sagen „auf Kriegsfuß“, aber ich bin jetzt 25 Jahre alt und ich weiß noch lange nicht, wo es mich mal hin verschlagen wird. Das Wort Immobilie drückt ja schon aus „immobil“, passt das gerade überhaupt nicht zu meinem Leben. Das ist noch ganz weit weg.

Roland: Ich hätte nicht gedacht, dass du auch in Kryptowährungen investierst. Eine Frage wäre gewesen: „Wie stehst du zu riskanten Investments?“ Aber da bist du ja selbst auch investiert. Anfang 2017 hast du zum ersten Mal in Kryptowährungen investiert…

Chiara: Nein, da habe ich nur angefangen, mich damit auseinanderzusetzen.

Roland: Ach so, genau. Sonst hätte ich mich jetzt gefragt, ob eine Bitcoin-Millionärin vor mir sitzt, weil Anfang 2017 ja die glückliche Zeit war. ETF, Immobilien, aber auch Aktien sind aktuell so ein bisschen Krisenthemen.

Dazu aber nächste Woche mehr!

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Die Bilder in diesem Artikel wurden uns freundlicherweise von Chiara Bachmann – Fräulein Finance zur Verfügung gestellt.

Fräulein Finance und die Corona-Krise!

Roland: Die aktuelle Corona-Krise, aber auch beruflich, familiär bzw. auch der Bereich Investments, Risikotoleranz und sonstiges – Wie gehst du aktuell mit solchen Krisen um und wie hat sich dein Geschäft durch Corona verändert? Positiv, negativ? Ich kenne einige Mandanten, die sagen: „Ich wäre aktuell lieber Arbeitnehmer, dann würde ich Kurzarbeitergeld bekommen.“ Wie ist es beruflich bei dir? Und wie ist es familiär? Wie kommst du selbst mit der Corona-Situation durch den Alltag? Man sieht es ja auf Instagram, dass du sehr gerne und viel unterwegs bist. Aktuell bist du ja zuhause gebunden.

Chiara: Oder man könnte sagen: „Wieder nachhause geschickt worden.“ Wo fange ich da am besten an? Ich würde nicht sagen, dass ich aufgrund der Corona-Krise lieber Arbeitnehmerin geblieben wäre. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass ich gekündigt hab. Ich hab ja parallel zum Masterstudium als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Ich bin jetzt noch an keinem Punkt, dass ich sage, die Corona-Krise zieht mir absolut den Boden unter den Füßen weg und so wird es wahrscheinlich noch eine ganze Weile sein. Da müsste schon noch ein bisschen was passieren, dass dieser Fall eintritt.

Wegen Corona kann ich gerade keine Live-Workshops geben, was ich sehr schade finde. Man kann online schon sehr viel machen, aber in einer persönlichen Runde ist es was anderes. Ich bin ein sehr herzlicher Mensch und es ist schön, wenn man sich auch mal in den Arm nehmen kann. Das gehört für mich auch dazu. Nichtsdestotrotz haben sich durch die Corona-Krise allein in den letzten zwei, drei Wochen zwei richtig geile neue Ideen entwickelt, die mir ohne Corona wahrscheinlich gar nicht gekommen wären. Natürlich weiß ich gerade noch nicht, wie sich das alles verhalten wird, wie es ankommt. Ich habe das noch in der Kiste, da wird noch ein bisschen dran rumgeschliffen und in der nächsten Zeit wird das rausgepusht. Was ich vom Gefühl her sagen kann: Da ist eine riesige Emotion und Vorfreude mit verbunden und ich kann eigentlich schon fast dankbar sein, dass es so gekommen ist, weil sich für mich auf einer anderen Ebene herauskristallisiert, welche Art von Finanzcoach ich sein will und ich noch weiter an meinen eigentlichen Kern komme. Von daher ist das alles gar nicht so blöd.

Was aber schon blöd ist, ist die Tatsache, dass wir eigentlich viereinhalb Wochen in Barcelona leben wollten. Das sollte die Verwirklichung eines Traums von uns werden. Wir streben in der Zukunft auch an, mal mehrere Monate in verschiedenen europäischen und auch deutschen Städten zu leben, um einfach mal zu gucken, wie das so ist, was da so los ist, wo es uns gefällt. Das war auf emotionaler Ebene sozusagen der Kick-Off in diese Art von Leben. Wir haben da für uns den Begriff „Digital Nomads light“ definiert, weil wir schon eine Home Base haben wollen, also wir wollen nicht mit dem Rucksack unterwegs sein. Mit einem Hund geht das glaube ich auch gar nicht. Würde jedenfalls schwierig werden. Aber z. B. zwei Monate Paris, drei Monate Regensburg – das steht tatsächlich auch ganz oben auf der Agenda. Mein Freund kommt ja aus der Oberpfalz. Das wollen wir einfach ausprobieren – leben in anderen Städten, in anderen Kulturen. Aber das ist aufgeschoben und nicht aufgehoben.

Roland: Stimmt. Beruflich schaut es bei vielen aus dem Online-Marketing-Bereich bzw. auch aus dem Coaching-Bereich, die das Ganze digital abbilden konnten, immer relativ gut aus. Ich hab das Glück, dass ich als Steuerberater mittlerweile knapp 80 % meiner Beratungen online abwickeln kann. Du hast es auch schon angesprochen. Mit Corona ist es so ein bisschen eine Selbstfindungsphase für jeden. Ich gebe es zu: Auch ich habe tausende neue Ideen, die ich umsetzen könnte, aber der Tag hat leider auch nur 24 Stunden und schlafen muss man auch irgendwann. Allein das Thema Ziele 2020. Man kennt ja die Memes im Internet. Da heißt es immer: „2020 – Das werden die goldenen Zwanziger wie vor Hundert Jahren!“ Und nun ist 2020 anders gekommen, als man denkt. Hast du deine persönlichen Ziele angepasst oder hast du neue Ziele gefunden, die du vorher noch nicht im Kopf hattest? Wie haben sich deine Ziele für dieses Jahr verändert? Du hast ja schon angesprochen, Money Diary bedeutet auch Ziele, Journal usw. Hat sich bei dir was geändert?

Chiara: Ja, natürlich. Alleine, weil Barcelona ins Wasser gefallen ist. Eigentlich war im Herbst des Jahres geplant unterwegs zu sein. Wo war noch offen, aber ich glaube, dass wir uns das auch abschminken können. Das hat sich auf jeden Fall geändert. Over all hat sich nicht unbedingt durch Corona geprägt, sondern es hat sich im letzten halben Jahr bei mir ganz grundsätzlich entwickelt, dass ich mich nicht mehr so arg an diese Ziele dranklammere. Klar, ich setze mir Ziele und frage mich: „Worauf habe ich Lust? Was lässt mein Herz höher schlagen? Womit kann ich Mehrwert stiften?“ Aber wenn für mich eine geilere Idee um die Ecke kommt, bin ich auch jemand, der sagt: „Ok, egal, wir machen alles neu.“

Roland: Kenn ich!

Chiara: Das ist für mich so wichtig, dieses Flexibilität zu haben und mehr mit meinem Bauchgefühl, meiner Intuition verbunden zu sein, weil ich ganz lang jemand war, der ausschließlich mit dem Kopf gedacht hat. Das ist vielleicht ein komischer Satz, aber den kann man mal sacken lassen: Unser Verstand ist eigentlich nicht dazu gemacht, Entscheidungen zu treffen. Er ist dazu gemacht, Dinge zu verarbeiten. Wir wissen nie an einem Zeitpunkt X, ob zum Zeitpunkt Y diese Entscheidung richtig oder falsch war. Wir können uns nur überlegen, was die einzelnen Szenarien sind, was eintreten könnte. Und dann gibt es sowas wie Corona, was keiner vorher auf dem Radar hat. Deswegen ist es wichtig, in gewisser Weise auch mit der eigenen Intuition mitzugehen, wenn es um Ziele geht. Man sollte sich fragen: „Worauf habe ich in meinem Innersten Bock? Wo liegt für mich die Freude?“

Selbst, wenn etwas richtig krass gefloppt ist und irgendwie zu überhaupt nichts geführt hat, hatte man Spaß dabei gehabt, wenn man der Freude gefolgt ist. Wenn man etwas nur tut, weil man beispielsweise glaubt, man bekommt dadurch viele Follower oder großen Umsatz, aber man findet es eigentlich blöd, ist das Endergebnis dementsprechend schlecht. Ich bin deswegen flexibel geworden und das muss man auch irgendwie sein, wenn man selbstständig oder Unternehmer ist. Man muss versuchen, schnell und wendig unterwegs zu sein, sonst verliert man sich in irgendwelchen Zielen, die man sich festgesetzt hat, die unterm Strich vielleicht in dem Moment gar nicht mehr das Wahre sind.

Roland: Ich wäre mit meinen Fragen soweit durch. Ich muss sagen: Ein sehr interessantes Gespräch. Vielen Dank schon mal, dass du dir die Zeit genommen hast.

Chiara: Gerne! Danke für die Fragen. Ich mag das immer sehr, wenn coole Fragen gestellt werden.

Roland: Du bist echt eine sehr angenehme Gesprächspartnerin. Danke fürs Gespräch!

Chiara: Ich danke dir!

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Bildquellen: Die Bilder in diesem Artikel wurden uns freundlicherweise von Chiara Bachmann – Fräulein Finance zur Verfügung gestellt.

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