Steuerberater werden – DREI TAGE HÖLLE! – Die schriftliche Prüfung – Klausurinhalt – Steuern mit Kopf

Auf Steuern mit Kopf erklärt Steuerberater Roland Elias das Steuerrecht in Deutschland für jeden und ganz einfach. Heute geht es um den Klausurinhalt der schriftlichen Steuerberaterprüfung.

Steuern mit Kopf – Neues Video!

Jede Woche gibt es mindestens zweimal ein Video von Steuern mit Kopf. Immer Mittwochs und Sonntags um 18 Uhr gibt es ein neues spannendes Video zum Thema Steuern, Steuertipps und Steuernews.

Steuerberater werden – DREI TAGE HÖLLE! – Die schriftliche Prüfung – Klausurinhalt

Auszug aus dem Video:

Die Steuerberaterprüfung ist eine bundeseinheitliche Prüfung. Das heißt es werden deutschlandweit an den drei Prüfungstagen die gleichen Klausuren geschrieben mit demselben Inhalt und demselben Datum. Meistens ist das die zweite Oktoberwoche im jeweiligen Jahr. Bei deiner zuständigen Steuerberaterkammer kannst du das auf der Homepage nachschauen. Im Jahr 2020 fällt die Prüfung auf den 6., 7. und 8. Oktober.

Die Prüfung ist im Grunde in drei Tage und jeweils in unterschiedliche Bereiche unterteilt.

Die Prüfungstage im Überblick

Tag 1

Das ist der Tag der Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, Grunderwerbsteuer-, Umsatzsteuer- und Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzes.

Tag 2

Hier geht es um die Ertragsteuern wie Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer.

Tag 3

Am letzten Tag geht es um das Bilanzsteuer- und Umwandlungsteuerrecht.

So ist die grobe Vorgabe. Ein wichtiger Punkt vorab: Es kann natürlich auch sein, dass ein Teil an einem anderen Tag drankommt. Die Umwandlungsteuer beispielsweise kann auch schon am zweiten Tag behandelt werden.

Gehen wir nun die Tage einzeln durch, damit ihr wisst, was auf euch zukommt.

Tag 1

Abgabenordnung & Finanzgerichtsordnung

Diese beiden Bereiche sind meistens recht dankbar, aber auch sehr zeitintensiv. Hier können mehrere unterschiedliche Fälle drankommen, z. B. Einspruch im Rahmen der Abgabenordnung, Beurteilung von Verspätungszuschlägen, Rechtschutz, Bestandskraft der Bescheide, Ermessensentscheidungen und ähnliches.

Das ist der Teil, bei dem Finanzbeamte und Juristen den größten Vorteil haben, weil es hier ums schematische Abarbeiten geht. Die Themen Einspruch und Klage sind sehr dankbar wegen dem schematischen Aufbau. Beispiel: Der Einspruch hat Aussicht auf Erfolg, wenn er zulässig und begründet ist.

Darum geht es im Grunde in der kompletten Abgabenordnung. Ich habe bei mir geschaut, dass ich in der Abgabenordnung zumindest die ganzen sogenannten Fußgängerpunkte mitnehme, denn mit nur einem Teil am ersten Tag kannst du nicht bestehen. Du brauchst mindestens 40 Punkte an jedem Tag. Jeder Teil hat um die 35-40 Punkte und du wirst wahrscheinlich nicht in allen die volle Punktzahl schaffen, deshalb musst du dich definitiv auf alle Teile vorbereiten.

Grunderwerbsteuer

Hier musst du vielleicht abprüfen, ob im Rahmen des Grunderwerbsteuergesetzes ein steuerpflichtiger Vorgang vorliegt, z. B. verkauft A etwas an B, oder A vererbt oder verschenkt an B, ist B ist verwandt mit A oder nicht, usw. Dann natürlich auch die Berechnung der Grunderwerbsteuer.

Umsatzsteuergesetz

Das ist meist die zweite größere Aufgabe. Du musst unterschiedliche Fälle behandeln. Manchmal bekommst auch du einen großen Fall mit verschiedenen Unterpunkten. Beispielsweise musst du das Umsatzsteuervorauszahlungssoll, die Umsatzsteuerzahlung oder die Vorsteuererstattung berechnen. Dazwischen kommen dann vielleicht kleinere Beurteilungen auf dich zu, wie die Aufteilung von Grundstücken, Reingeschäfte, innergemeinschaftliche Lieferungen oder innergemeinschaftliche Erwerbe.

Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz

Dieses Thema liefert ebenfalls Fußgängerpunkte, die du mitnehmen kannst, weil hier das schematische Abarbeiten relativ schnell und einfach erledigt ist. Es ist beispielsweise jemand gestorben und überträgt das Vermögen auf seine Kinder. Meist geht es um Betriebsvermögen, Grundvermögen oder etwaiges Vermögen wie Gemälde oder Autos. Du musst im Rahmen der Prüfung alles sauber einordnen. Im Betriebsvermögen musst du vielleicht eine Substanzwert- oder Ertragswertberechnung machen oder einen Vergleich. Im Bereich der Immobilien musst du schauen, ob es um eine selbstgenutzte Immobilie geht, Stichwort Familienheim, oder ob das Objekt vermietet ist usw. Hier wären dann die beiden Verfahren Sachwert oder Ertragswert steuerlich durchzuprüfen und abzuhandeln.

Es wird noch ein Sondervideo zum Thema Klausurtaktik geben, mit meinen Empfehlungen, wie du am besten und zielsicher durch die Steuerberaterprüfung kommst und was du an der ein oder anderen Stelle beachten solltest.

Tag 2

Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuergesetz

Diese Themen können wie gesagt teilweise auch in Verbindung mit dem Umwandlungsteuergesetz auftreten, aber darauf gehe ich an Tag 3 noch ein.

Einkommensteuergesetz

Die komplette Einkommensteuer ist relevant, deshalb kann auch die Lohnsteuer drankommen. Meist sind es Situationen wie ein Immobilienvorhaben oder eine Gewinnermittlung, was höchstwahrscheinlich auf die Einnahmenüberschussrechnung hinausläuft, da die Bilanz am dritten Tag behandelt wird. Vielleicht musst du auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Einkünfte aus Gewerbebetrieb, Lohnsteuer oder Renten abrechnen oder der Frage nachgehen, ob ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG vorliegt.

Ein kleiner Tipp, den du auch im Video zu den Klausurtechniken finden wirst: Bestimmte Punkte solltest du dir immer über jede Klausur schreiben. Bei der Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer sind der § 6b EStG, IAB und RfE und ähnliches definitiv immer Thema. Diese kommen immer dran, wenn etwas angeschafft oder etwas verkauft wird. Beim Verkauf ist es oft so, dass du das steuerlich günstigste Ergebnis ermitteln sollst. Dafür sind eben der IAB und der § 6b EStG die beste Lösung.

Körperschaftsteuergesetz

Hier musst du meist erst mal prüfen, ob überhaupt ein körperschaftsteuerpflichtiges Objekt vorliegt. Das heißt, auch internationales Steuerrecht kann gefragt sein. Klassisch ist hier der § 8b KStG oder das Stichwort vGA und verdeckte Gewinneinlage, steuerliches Einlagekonto und ähnliches. Jedes Thema kann über das Bestehen oder Nichtbestehen entscheiden. Wenn du dir das im Vorfeld schon aufschreibst, denkst du auch während der Klausur dran.

Gewerbesteuer

Meistens musst du vom steuerlichen Gewinn zum Gewerbeertrag durchrechnen. Manchmal kommt auch noch eine Zerlegung dazu.

Tag 3

Bilanzsteuergesetz

Das ist meist der umfangreichste Tag, aber auch derjenige, an dem die meisten vorzeitig fertig werden, weil hier ein schematisches Handwerkserlebnis vorliegen kann. Du musst nämlich die komplette Fallprüfung durchgehen. Das heißt HGB und Steuerrecht, welche immer ineinandergreifen. In der Regel sind es vier oder fünf Aufgaben. Beispielsweise wird vorgegeben, dass der Handwerker XY ein Betriebsgebäude anschaffen möchte. Du sollst die Anschaffungskosten ermitteln und abschreiben mit dem gesetzlichen Normen und auf das steuerlich günstigste Ergebnis kommen.

Auch an diesem Tag kann das Thema § 6b EStG und ähnliches aufkommen. Eine Einnahmenüberschussrechnung sollte im Normalfall nicht drankommen, da sich alles um die Handels- und Steuerbilanz dreht.

Umwandlungsteuergesetz

Meist geht es um die Umwandlung von einem Einzelunternehmen in eine GmbH, eine Personengesellschaft. Auch das Thema Realteilung kann relevant werden.

Das war jetzt mal ein kompletter Überblick der drei Klausurentage. Alle Tage musst du unter dem Motto abarbeiten: „Es kann alles drankommen.“ Was du aus der Schule und dem Studium kennst, kannst du vergessen. Nichts wird eingegrenzt. Fälle wie beispielsweise zur Grundsteuer, Hunde- oder Pferdesteuer, KFZ-Steuer oder zu anderen besonderen Verbrauchssteuern werden meist nicht abgefragt, aber ich will es auch nicht gänzlich ausschließen. Punkte geben wie gesagt die Abgaben- und Finanzgerichtsordnung, Umsatz-, Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie die Einkommen-, Körperschaft-, Gewerbesteuer und am letzten Tag das Bilanzsteuerrecht und das Umwandlungsteuergesetz.

Die Playlist zu allen Videos der „Steuerberater werden“-Reihe findest du hier.

Mehr zum Autor Steuerberater Roland Elias aus Regensburg. Er ist Inhaber einer mittelständischen Kanzlei im Herzen der Oberpfalz. Von dort aus berät er Mandanten im ganzen Bundesgebiet und auch weltweit.

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Bildquelle: Pixabay

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